PROBE — Der Morgenblick, Montag 7. September 2026

am Freitag hat der amerikanische Arbeitsmarkt eine Zahl geliefert, die dem widerspricht, was ich Ihnen zwei Tage vorher geschrieben hatte. Und ich habe über das Wochenende eine eigene Analyse komplett neu gerechnet — mit einem Ergebnis, das mir nicht in den Kram passt. Beides steht unten.

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PROBE — Der Morgenblick, Montag 7. September 2026

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Guten Morgen %%{name, "allerseits"}%%,

am Freitag hat der amerikanische Arbeitsmarkt eine Zahl geliefert, die dem widerspricht, was ich Ihnen zwei Tage vorher geschrieben hatte. Und ich habe über das Wochenende eine eigene Analyse komplett neu gerechnet — mit einem Ergebnis, das mir nicht in den Kram passt. Beides steht unten.

Die Lage

Der amerikanische Arbeitsmarkt war im August deutlich stärker als erwartet. 162.000 neue Stellen außerhalb der Landwirtschaft, gegen einen Zwölfmonatsdurchschnitt von nur 31.000; die Arbeitslosenquote blieb bei 4,1 %, die Stundenlöhne stiegen um 3,1 % gegenüber dem Vorjahr (Bureau of Labor Statistics, 04.09.2026). Vier Tage zuvor hatte das Beige Book der Fed noch ein Land beschrieben, das kaum einstellt — fünf von zwölf Bezirken meldeten gar keine Veränderung. Eine der beiden Beobachtungen muss falsch sein.

Die deutsche Industrie hat im Juli 2,5 % mehr Aufträge bekommen als im Juni, real und bereinigt (Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung 313 vom 04.09.2026). Das ist der zweite Zuwachs in Folge. Am selben Tag kam allerdings die Gegenprobe: Der Umsatz im Dienstleistungsbereich lag im Juni 1,7 % unter dem Vormonat (PM 315). Die Industrie zieht an, der Dienstleistungssektor nicht — für eine Volkswirtschaft, in der Dienstleistungen rund 70 % der Wertschöpfung stellen, ist das die unangenehmere der beiden Zahlen.

Am Mittwoch und Donnerstag entscheidet der EZB-Rat in Berlin. Er fährt mit einer Inflation von 3,3 % hin, deren Anstieg fast vollständig aus Energie stammt, während die Dienstleistungspreise auf 3,0 % gefallen sind. Der amerikanische Arbeitsmarktbericht ändert daran nichts unmittelbar, aber er verschiebt die Erwartung an die Fed — und damit den Außenwert des Euro, der in jede Bilanz mit Auslandsgeschäft durchschlägt.

Sachsen-Anhalt hat gestern gewählt. Bei Redaktionsschluss lag kein Ergebnis vor; ich ordne es morgen ein, falls es etwas einzuordnen gibt. Nicht die Wahl selbst zählt für Kapitalmärkte, sondern die Frage dahinter: mit welchen Mehrheiten künftig Infrastruktur- und Energieprojekte beschlossen werden.

Die amerikanischen Börsen bleiben heute geschlossen (Labor Day). Europäische Umsätze sind an solchen Tagen dünn, Kursbewegungen entsprechend wenig aussagekräftig. Wer heute eine Kursreaktion auf den Arbeitsmarktbericht zu erkennen glaubt, erkennt in Wahrheit einen halbleeren Markt — die Antwort darauf kommt erst morgen.

Die Woche im Rückblick

Was die Woche gemacht hat

Zwei Zeilen daraus gehören zusammengelesen. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen steht bei 3,37 % und ist in sieben Tagen um 17 Basispunkte gestiegen (Deutsche Bundesbank, Stand 04.09.2026) — das ist die Größe, die in jeder meiner Bewertungen als risikofreier Satz steckt und an der 41 Titel meiner Liste hängen. Und Immobilien weltweit gaben im selben Zeitraum um 0,95 % nach. Das ist kein Zufall, sondern dieselbe Bewegung von zwei Seiten betrachtet: Steigt der lange Zins, fällt der Barwert langlaufender Mieterträge.

Der Euro gegen den Yen ist die auffälligste Zeile — 2,33 % in einer Woche (Referenzkurse der Europäischen Zentralbank), in einer Größe, die sich sonst in Zehntelprozenten bewegt. Für die japanischen Titel im Bestand ist das mehr Bewegung, als die meisten von ihnen operativ in einem Quartal erleben.

MSCI ACWI IMI steht dort nicht als Dekoration: Das ist der Index, in dem mein eigenes Geld liegt. Wenn ich Ihnen Einzeltitel vorrechne, sollten Sie sehen können, was die Alternative gemacht hat, gegen die ich mich rechtfertigen muss.

Der andere Blick

Die Zahl, die überall stand: 162.000 neue Stellen — der amerikanische Arbeitsmarkt hält.

Der zweite Blick: Die eigentliche Nachricht steht nicht in der Schlagzeile, sondern in den Revisionen. Der Juli wurde von minus 23.000 auf plus 21.000 korrigiert, der Juni von 20.000 auf 31.000 — zusammen 55.000 Stellen, die vorher nicht da waren. Ein Monat, der als Stellenabbau gemeldet wurde, war in Wahrheit ein Zuwachs.

Wer im August auf die Juli-Zahl hin eine Meinung gebildet hat, hat sie auf einer Zahl gebildet, die es nicht gab. Das ist kein Vorwurf an die Statistiker — Erstschätzungen sind Erstschätzungen, und die Revision ist die Korrektur, nicht der Fehler. Es ist ein Argument gegen etwas anderes: gegen die Praxis, aus einer einzelnen Monatszahl eine Wende zu lesen. Ich nehme mir das selbst mit, und zwar direkt in den nächsten Abschnitt.

Was das an Zahlen ändert

Der Zins berührt 41 Titel meiner Liste — 10 Immobilien-, 15 Versorger- und 16 Bankentitel. Ich fasse vor Donnerstag nichts an. Eine Notenbanksitzung ist der schlechteste denkbare Zeitpunkt, um Annahmen nachzuziehen: Man rechnet dann zweimal, einmal falsch.

Meine Kaufliste ist von fünf auf vier Titel geschrumpft — und nicht, weil ein Kurs gestiegen wäre.

Ein Titel, eine Zahl

LVMH — 429,65 EUR gegen eine Kaufschwelle von 426 EUR. Der Kurs liegt 0,9 % darüber, also knapp außerhalb. (Schlusskurs vom Freitag; die Bewertung selbst rechnet auf dem Anker vom 3. September, 431,05 EUR.)

LVMH: Kurs gegen Kaufschwelle

Das ist eine Verschlechterung gegenüber der vorigen Woche, und sie kommt von mir, nicht vom Markt. Ich habe die LVMH-Analyse am Freitag vollständig neu gerechnet. Der faire Wert fiel von 545 auf 533 EUR — das ist wenig. Die Kaufschwelle fiel von 463 auf 426 EUR — das ist viel, und der Grund ist nicht die Bewertung, sondern mein Vertrauen in die eigene Schätzung. Ich habe die Confidence herabgestuft, und damit steigt der Sicherheitsabschlag, den ich auf den fairen Wert lege, von 15 auf 20 %.

Ausschlaggebend war eine einzige Gegenüberstellung. LVMH wuchs im zweiten Quartal organisch um 3 % — die Zahl, die ich zuvor als Wendepunkt gelesen hatte. Der Luxussektor insgesamt wuchs im selben Zeitraum um rund 6 %. Gemessen am eigenen Markt hat LVMH also Anteile verloren, nicht gedreht. Dazu kommt der chinesische Luxus-Einzelhandel mit zweistelligem Minus im Juli und eine Vergleichsgruppe, in der Hermès weiter über Ladenpreis gehandelt wird und Louis Vuitton im Zweitmarkt nachgibt.

Der Titel bleibt für mich ein Kauf-Kandidat — er notiert 19 % unter seinem fairen Wert. Er ist nur nicht mehr in der Zone, in der ich zugreifen würde. Ich schreibe Ihnen das hin, weil die Alternative wäre, meine eigene Schwelle so lange zu lassen, bis sie passt.

Prüftiefe: ▫ gerechnet, Confidence MITTEL, Analysestand 04.09.2026. Der Prüfdurchgang hat dabei 13 Sachfehler in meiner eigenen Analyse korrigiert — darunter eine Kennzahl, die ich der falschen Quelle zugeschrieben hatte. Die Liste steht im Report.

Was heute noch wichtig ist

Zeit Anlass Quelle
ganztägig Labor Day, USA — Börsen geschlossen NYSE

Ihr

Daniel Göstenmeier


Eigenposition. Ich halte keine direkte Position in LVMH. Mein Privatdepot besteht aus einem einzigen weltweit anlegenden Index-ETF, in dem dieser Titel seinem Indexgewicht entsprechend enthalten ist.

Methode. Faire Werte entstehen aus zwei unabhängigen Ankern — einem konstruierten (Cashflow, Substanz) und einem abgelesenen (Multiple gegen die Vergleichsgruppe). Die Kaufschwelle ist der faire Wert abzüglich einer Sicherheitsmarge, die den Schätzfehler abbildet, nicht das Geschäftsrisiko. Sinkt mein Vertrauen in die Schätzung, steigt die Marge — und die Schwelle fällt, ohne dass sich am Unternehmen etwas geändert hätte.

Keine Anlageberatung. Dieser Brief enthält Anlageempfehlungen im Sinne von Art. 3 Abs. 1 Nr. 35 MAR, aber keine Anlageberatung. Alle Empfänger erhalten denselben Text; Ihre persönlichen Verhältnisse, Ziele und Ihre Risikotragfähigkeit sind mir weder bekannt noch berücksichtigt. Die Übersicht aller Empfehlungen der vergangenen zwölf Monate mit ihrer Verteilung auf Kaufen, Halten und Verkaufen gebe ich auf Anforderung heraus.

Quellen. Bureau of Labor Statistics (Employment Situation August 2026, 04.09.2026) · Statistisches Bundesamt (Auftragseingang Verarbeitendes Gewerbe Juli, PM 313, und Umsatz im Dienstleistungsbereich Juni, PM 315, beide 04.09.2026) · Federal Reserve (Beige Book, 02.09.2026) · Eurostat (Schnellschätzung Verbraucherpreise Euroraum August, 01.09.2026) · EZB (Sitzungskalender) · NYSE (Handelskalender) · eigene Analyse LVMH (04.09.2026).